Last updated on 31. Januar 2026
Der Digital Independence Day ist eine gute Sache: Er sorgt dafür, dass Menschen – wenn auch vermutlich zumindest zunächst nicht allzu viele – innehalten und darüber nachdenken, was für Dienste sie nutzen, welchen Dienstleistern sie ihr Geld in den Rachen werfen und ob sie daran etwas ändern sollten.
Vor einem Monat, anlässlich des ersten Digital Independence Day, habe ich mich mit einem Projekt befasst, das, zugegeben, vielleicht etwas über das Ziel hinausschießt und einen Raspberry Pi mit Pi-Hole in meinem Netzwerk installiert. Ein Projekt, das ich mir schon länger vorgenommen hatte und mir dann irgendwie als Bestandteil des DID zurechtgebogen habe. Was genau ich da gemacht und wie ich es angestellt habe – dazu vielleicht mal mehr, wenn ich die Zeit dazu finde, das geordnet aufzuschreiben.
Heute jedenfalls ist der zweite DID und ich habe einen Schalter umgelegt. Tatsächlich ist der Aufwand nicht viel größer. Für die eigentliche Umsetzung braucht man nur ein paar wenige Sekunden. Ich habe die Suchmaschine gewechselt.
Die meisten Menschen verwenden offensichtlich Google. Offensichtlich, weil der Start von Google tatsächlich eine Revolution war und vieles zum Besseren verändert. Google fühlte sich fast wie ein Freund an, mit all seinen Diensten, die kostenfrei genutzt werden konnten. Also, zumindest ohne finanzielle Kosten.
Dass Google ein US-Konzern ist, war dabei natürlich schon immer klar, über die letzten Jahre ist genau das aber immer mehr zum Problem geworden. Doch es ist nicht nur der Hunger nach unseren Daten allein, der stört. Wer heute etwas sucht, muss sich erst einmal durch ein Dickicht aus Anzeigen und Reklame kämpfen. Und als wäre das nicht genug, spült die künstliche Intelligenz des Konzerns immer häufiger sogenannten „AI-Slop“ nach oben: künstlich erzeugte, oft belanglose oder sogar falsche Inhalte, die echte Expertise verdrängen. Google fühlt sich 2026 nicht mehr wie eine hilfreiche Bibliothek an, sondern eher wie eine laute Werbehalle, in der uns ständig jemand etwas verkaufen will, während er uns heimlich durch die Taschen wühlt.
Zum Glück gibt es Alternativen. Ein spannendes Duo bilden dabei Ecosia und Qwant. Ecosia ist die wohl sympathischste Wahl aus Deutschland. Mit den Einnahmen werden Bäume gepflanzt. Ein kleiner Wermutstropfen blieb lange Zeit: Ecosia verließ sich bei den Suchergebnissen fast ausschließlich auf den US-Riesen Bing (Microsoft). Doch das ändert sich gerade massiv. Zusammen mit dem französischen Partner Qwant haben sie die „European Search Perspective“ (EUSP) ins Leben gerufen. Ziel ist ein eigener, europäischer Wissensschatz, der uns endlich unabhängig von den Vorgaben aus Übersee macht.
Qwant selbst ist dabei der radikale Vorreiter im Hinblick auf Datenschutz. Sie speichern nichts und verfolgen niemanden. Wer aber die ultimative Unabhängigkeit sucht, landet oft bei Metager, da die Suchmaschine verschiedene Quellen anzapft, ohne Spuren zu hinterlassen. Der Haken: Seit Ende 2024 ist dieser Dienst nicht mehr kostenfrei, da die Partner weggebrochen sind. Wer hier sucht, zahlt mit echtem Geld statt mit Daten. Das muss man wollen.

#000000; color: #000000;">Der Blick über den Teich: Was taugt die Ente?
Viele landen bei ihrer Suche nach Freiheit bei DuckDuckGo. Die US-Suchmaschine ist der Klassiker unter den Google-Flüchtlingen. Sie blockiert Tracker und bietet praktische Extras wie den „Duck Player“, mit dem man YouTube-Videos schauen kann, ohne dass Google direkt ein Profil von einem erstellt. Im Hinblick auf den Digital Independence Day ist DuckDuckGo jedoch eine zweischneidige Angelegenheit. Zwar ist der Schutz der Privatsphäre vorbildlich, aber es bleibt eine US-Firma, die rechtlich anderen Regeln unterliegt als wir in Europa. Zudem stützt sie sich bei den Ergebnissen primär auf Bing von Microsoft. Wer also echte digitale Souveränität für Europa will, findet bei den hiesigen Lösungen oft eine passendere Heimat.

#000000; color: #000000;">Warum ich jetzt mit Bäumen suche
Am (vorläufigen) Ende meiner Reise bin ich bei Ecosia hängen geblieben. Warum? Weil es sich wie der richtige Kompromiss anfühlt. Die Bedienung ist so leichtfüßig wie gewohnt, die Ergebnisse durch die neue europäische Initiative immer eigenständiger – und natürlich ist irgendwie auch das gute Gefühl, bei jeder Suche ein Stück Natur zu unterstützen, ein netter Bonus. (Und gutes Marketing, na klar.)

Wenn man sich aus verständlichen Gründen von amerikanischen Unternehmen abwenden möchte, gibt es gute Alternativen in Bezug auf Software und Suchmaschinen sowie KI und andere Dienste. Bei der Hardware wird es jedoch schwieriger, insbesondere für Apple-Nutzer, die tief im Apple-Universum verwurzelt sind (Mac, iPad, iPhone, Apple Watch, Apple TV, …), so wie ich selbst beispielsweise. Alles, was die Interaktion so einfach und attraktiv macht, wird schnell zu einem Hindernis, wenn man nach Alternativen sucht, die es eigentlich nicht gibt. Es sei denn, man ist bereit, Kompromisse bei der Benutzerfreundlichkeit und dem Design einzugehen.
Ja, und ich bin da überhaupt gar nicht zu Kompromissen bereit. Deshalb sehe ich auch nicht, dass ich in den nächsten Jahren etwas außer Apple kaufen werde. Ich mag auch deren Software sehr. Ja, auch da hat die Qualität zuletzt nachgelassen. Aus meiner Sicht und für meine Bedürfnisse sind sie aber trotzdem noch weit vorne.
Umso wichtiger ist es mir, dort zu handeln, dort Dinge zu ändern, wo es mich wenig kostet und trotzdem viel bringt.