Links und rechts neben meinem Monitor stehen zwei Elgato Key Light Air. Sie leuchten mich für Videocalls und Podcast-Aufnahmen aus, und sie tun das gut. Nur eines konnten sie nie: mit dem Rest meines Zuhauses reden. Wenn ich die Lichter schalten wollte, musste ich das Elgato Control Center öffnen. Keine Szene in Apple Home, kein „Hey Siri, Studiolicht an“, keine Automation, die beim Feierabend alles ausknipst. Und dazu: Die Elgato-Contro-Center-App war alles andere als zuverlässig: Mal schaltete sie nur ein Licht an oder aus, mal wurden Helligkeitseinstellungen für eine der Lampen übernommen …
Dabei ist die Technik in den Lampen gar nicht verschlossen. Die Key Lights nehmen Befehle ganz schlicht über das lokale Netz entgegen, ohne Konto und ohne Cloud. Es fehlte nur eine Schnittstelle, die zwischen ihnen und Apple Home übersetzt. Genau diesen Übersetzer habe ich mir heute mit etwa 45 Minuten Recherche und 20 Minuten Arbeit auf mein NAS geholt.
Homebridge oder Matterbridge?
Der Klassiker für solche Fälle heißt Homebridge. Dafür gibt es gleich mehrere Plugins für die Key Lights, etwa homebridge-keylights. Der Haken: Die bekanntesten davon wurden länger nicht angefasst. Und Homebridge spricht das ältere HomeKit-Protokoll, den neuen Standard Matter noch nicht so wirklich. Seit Mai gibt es Version 2.0 mit „initial groundwork for Matter Support“. Außerdem stellt es mich so dar, als müsste jede:r Entwickler:in Matter-Support noch mal gesondert in das jeweilige Plug-in integrieren. Es scheint keinen globalen Matter-An-Schalter zu geben. Dann kommt hinzu, dass HomeBridge noch jede Menge weitere Sachen kann, die ich aber alle gar nicht brauche. Zumindest jetzt nicht. Vielleicht entpuppt sich das in zwei Wochen als Trugschluss und ich schaue mir HomeBridge doch noch mal näher an. Aber für den Moment erschien mir das keine gute Wahl zu sein.
Bei der Suche bin ich über matterbridge-elgato gestolpert. Das Plug-in bringt Key Lights und Light Strips per Matter nach Apple Home, Google Home und Alexa, komplett lokal. Die eigentliche Arbeit erledigt dabei Matterbridge, ein mir ausgereift erscheinendes Open-Source-Projekt, das Geräte ohne Matter-Unterstützung als Matter-Geräte ausgibt.
Tatsächlich war das aber auch eher ein Experiment. Das Plug-in ist aktuell nur wenige Wochen alt, hatte einen einzigen Stern auf GitHub, und in der Tabelle der getesteten Controller stand bei Apple Home: noch von niemandem ausprobiert.
Zwei Dinge haben mich trotzdem überzeugt. Erstens steckt die schwierige Matter-Arbeit im etablierten Matterbridge, das Elgato-Plug-in ist nur eine dünne Schicht darüber. Zweitens kann Matterbridge beliebig viele Plug-ins aufnehmen. Deshalb habe ich nicht das fertige Bundle des Elgato-Projekts genommen, sondern das offizielle Matterbridge-Image und das Plugin nachträglich hineininstalliert. So bleibt der Kern in der Hand des Originalprojekts, und weitere Geräte können später dazukommen.
Vorbereitung auf dem NAS
Matterbridge läuft bei mir als Docker-Container auf meiner Ugreen NAS. Die Anforderungen sind aber überschaubar:
• ein Linux-Rechner mit Docker, der rund um die Uhr läuft und im selben Netz hängt wie die Lampen
• Host-Netzwerk für den Container, weil Matter und die Geräteerkennung per mDNS sonst nicht funktionieren
• IPv6 im Heimnetz, denn Matter spricht lokal IPv6
• ein HomePod oder Apple TV als Steuerzentrale für Apple Home
Vor dem Start habe ich per SSH geprüft, ob die nötigen Ports frei sind:
sudo ss -lnup | grep -E ':5540|:5353' sudo ss -lntp | grep :8283 ip -6 addr show eth0
Port 5540 für Matter und 8283 für die Weboberfläche waren frei. Auf 5353 saß erwartungsgemäß der avahi-Dienst von UGOS, dem Ugreen-Betriebssystem, der unter anderem meine Time Machine im Netz bekannt macht. Das war am Ende kein Problem: Beide Dienste teilen sich den Port friedlich. Beim IPv6-Check zeigte sich neben der globalen Adresse auch eine lokale ULA-Adresse von der Fritzbox. Die ist für Matter wertvoll, weil sie stabil bleibt, auch wenn der Anbieter das Präfix wechselt.
Die Docker-Compose-Datei ist kurz:
services:
matterbridge:
image: luligu/matterbridge:latest
container_name: matterbridge
network_mode: host
restart: unless-stopped
environment:
TZ: Europe/Berlin
volumes:
- ./data/Matterbridge:/root/Matterbridge
- ./data/.matterbridge:/root/.matterbridge
- ./data/.mattercert:/root/.mattercert
Der wichtigste Ordner dabei ist .matterbridge. Darin liegen die Kopplungsdaten. Geht er verloren, muss man Apple Home neu koppeln. Bei mir liegt der ganze Stack deshalb in dem Verzeichnis, das jede Nacht verschlüsselt in mein Back-up wandert.

Kleiner Stolpersteine, dann problemfreie Einbindung
Ganz ohne Holpern ging es nicht. Beide Hürden waren aber schnell genommen. Matterbridge ruft in alle Richtungen. Nach dem ersten Start lauschte Matterbridge auf gut 40 Sockets für mDNS, verteilt über alle Netzschnittstellen der NAS. Dazu gehören auch die internen Docker-Netze und eine Hilfsschnittstelle meines AdGuard-Containers. Das ist nicht kaputt, kann aber dazu führen, dass Matterbridge Adressen ankündigt, die der HomePod als mein Matter-Hub gar nicht erreicht. Die Lösung steckt in den Einstellungen der Weboberfläche: dort die mDNS-Schnittstelle auf eth0 festlegen und die IPv4-Adresse der NAS eintragen. Nach einem Neustart waren es nur noch vier Sockets.
Die Installation des Elgato-Plug-ins war dann denkbar einfach: Matterbridge liefert unter <NAS-IP>:8283 ein Web-Interface aus. Dort gibt es eine Sektion „Install plugins“, in der man entweder nach „matterbridge-elgato“ sucht oder rechts daneben auf das Lupen-Symbol klickt und durch die Liste verfügbarer Ertweiterungen scrollt.
Ein dritter Punkt, der auf jeden Fall zu beachten ist: Die Matterbridge-Oberfläche ist ab Werk ohne Passwort erreichbar. Jede:r im Heimnetz könnte dort die Konfiguration ändern. Das Passwort gehört deshalb gesetzt, bevor man irgendetwas anderes macht.
Kaum war das Plugin installiert, tauchten beide Key Light Air in der Geräteliste von Matterbridge auf. Gefunden hat das Plugin sie ganz allein über das Netz, ohne dass ich eine einzige IP-Adresse eintragen musste. Die Kopplung mit Apple Home war dann unspektakulär, im besten Sinne. In der Home-App auf „+“ tippen, „Gerät hinzufügen“ wählen, den QR-Code aus der Matterbridge-Oberfläche scannen, die Warnung zum nicht zertifizierten Gerät bestätigen. Danach stand die Bridge in Apple Home, darunter die beiden Lampen.
Seitdem sind die Key Lights ganz normale Lampen in meinem Zuhause. Ein- und ausschalten, Helligkeit, Farbtemperatur: alles direkt in der Home-App, per Siri und in Szenen.
Fazit
Wer ohnehin ein NAS oder einen kleinen Heimserver mit Docker betreibt, holt seine Elgato Key Lights mit Matterbridge in unter einer halben Stunde ins Apple Home. Das Ganze läuft lokal, komplett ohne Konten und ohne Cloud. Und Matterbridge bleibt offen für weitere Plugins.
Ein paar Einschränkungen gehören zur Ehrlichkeit dazu. Das Elgato-Plug-in ist sehr jung und wird von einer einzelnen Person gepflegt. Das Key Light Air der zweiten Generation (MK.2) wird derzeit nicht unterstützt, weil es eine verschlüsselte Verbindung mit Client-Zertifikat verlangt. Und das NAS muss natürlich durchlaufen, sonst reagieren die Lampen in Apple Home nicht mehr.

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